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Mit allen Wassern gewaschen
Friedensreich Hundertwasser in Freiburg. Eine Polemik
Paul Klock
2.03.04
Selten wohl war eine Vernissage
in Freiburg so gut besucht wie die Eröffnung der Jahrhundert-,
pardon: der Hundertwasser-Ausstellung am vergangenen Wochenende.
Austragungsort dieser Massenveranstaltung war das Schwarze Kloster,
just jener Ort also, der dem städtischen Radiergummi im letzten Jahr
ohne Wenn und Aber zum Opfer gefallen war, nachdem hier jahrelang
zuerst der Kunstverein Freiburg und später der BBK Südbaden
ambitionierte Ausstellungsarbeit geleistet hatten. Zuletzt, schon
unter dem Schatten der kommenden Schließung, gab das Schwarze Kloster
mehr oder weniger spontanen Abschiedsgesängen der zeitgenössischen
Kunstszene der Stadt ein Asyl. Der Raum wurde so etwas wie ihre
Klagemauer.
An diesem traurigen Ort also legt die Stadt Freiburg
im Verbund mit der FWT (Freiburg Wirtschaft und Tourismus) nun noch
eins drauf in Sachen Demütigung. Nach allen Regeln badischer
Inszenierungskunst feiert man hier den Wiener Malguru Friedensreich
Hundertwasser und bietet dessen druckgraphisches Werk in
(auflagenstarken) Auszügen zum Verkauf feil. Zur Eröffnung der Schau
zitierte die Laudatorin aus dem reichhaltigen schriftstellerischen
Werk des Exzentrikers und rundete ihre Hommage mit einem selbst
verfassten Gedicht zu Ehren des Künstlers in badischer Mundart ab.
Sicher, Hundertwasser, den die Boulevard-Presse gerne
als „Herzensmaler“ und den „farbigsten Grünen“ feierte, hätte
nichts dagegen gehabt: Trotz seines Sendungsbewusstseins war er mit
allen Wassern gewaschen und folglich schon zu Lebzeiten mit seiner
Kunst ein reicher Mann geworden. Die Menschen dankten es ihm und fühlen
sich von seinen harmonischen Farbkompositionen und visionären
Architekturphantasien ihrerseits bis heute so reich beschenkt, dass
ihnen offenbar kaum auffällt, wie dort im Schwarzen Kloster die
Druckware so dicht an dicht hängt, dass man das Gefühl hat, auf
einem Flohmarkt zu sein. Diese Präsentation erschlägt selbst
denjenigen, der sich den Arbeiten Hundertwassers mit bestem Willen und
echtem Interesse nähert – und vielleicht am nachhaltigsten den Künstler
selbst. Bedurfte es wirklich der Geschäftstüchtigkeit einer
Gesellschaft namens „concept design GmbH“, um ein solches Event
mithilfe zahlreicher Freiburger Sponsoren von der FWT bis zum
Gratis-Magazin „Kultur aktuell“ anzuzetteln?
Nichts gegen Ausstellungen, die die Massen anziehen,
und nichts gegen Verkaufsboutiquen wie sie jetzt in einem Separee des
ersten Stocks im Schwarzen Kloster eingerichtet wurde – solche Shops
gehören schon lange zum festen Bestandteil von Museen und großen
Galerien. Nichts auch dagegen, dass das für die Hundertwasser-Schau
mit verantwortlich zeichnende Hotel Rheingold mit einem „kunstvollen
Menü für Feinschmecker“ und „farbenfrohen Cocktails“ den
exzentrischen Künstler genießbarer zu machen verspricht (obgleich:
ein wenig dick aufgetragen ist das schon und 7,50 Euro Eintritt sind
kein Pappenstiel). Was aber für Kunstinteressierte in Freiburg nur
schwer verdaubar sein dürfte, ist neben dem Tatort dieser
Veranstaltung das Inszenarium und die plötzlich so zahlreiche Schar
der Gönner, denen es vor einem Jahr, als es darum ging, der
Freiburger Kunstszene unter die Arme zu greifen, leider an einem ähnlichem
Engagement fehlte
Schwarzes Kloster Freiburg
Rathausgasse, Freiburg (D).
Öffnungsszeiten:
Montag bis Donnerstag und Sonntag 11 bis 20 Uhr
Freitag / Samstag 11 bis 24 Uhr
Bis 31. Mai 2004
Originalartikel : Regioartline
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